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Die Sache mit der Schärfentiefe

September 15th, 2008 by Susan

Das Motiv kann auf dem fertigen Foto unter Umständen ganz anders wirken, als es durch den Kamerasucher der Digitalkamera aussah. Betrachtet man eine Szene mit bloßem Auge, scheint alles mehr oder weniger gleich scharf, während im Foto hinterher nur bestimmte Bereiche scharf abgebildet sind.

Dies ist eine Auswirkung des Effekts, den man Schärfentiefe nennt. Die Grenzen des Schärfentiefebereichs (in dem das Bild scharf abgebildet wird) liegen vor und hinter dem Punkt, auf den man mit dem Sucher scharf gestellt hat. Die Größe dieses Bereichs wird durch die Blendenöffnung, die Brennweite des Objektivs und den Abstand zwischen Kamera und Motiv bestimmt. Durch Veränderung dieser drei Faktoren wird auch die Schärfentiefe eines Fotos verändert.

Ist der größte Teil eines Bildes scharf, spricht man von einer großen Schärfentiefe. Ist nur ein Teil scharf, ist die Schärfentiefe gering. Die Entscheidung über den Schärfentiefebereich hängt vom Motiv und der beabsichtigten Bildwirkung ab.

Es besteht eine direkte Beziehung zwischen der Blendenöffnung und der Schärfentiefe – je kleiner die Blende, desto größer die Schärfentiefe. Um einen möglichst großen Bereich des Fotos scharf abzulichten, verwendet man eine kleine Blende – am besten 16 oder sogar 22, wenn das Objektiv dies hergibt.

Da die kleine Blendenöffnung weniger Licht durchlässt, sollte man gegebenenfalls bei ungünstigen Lichtverhältnissen ein Stativ oder eine andere Stabilisierungshilfe verwenden. Die durch die kleine Blende notwendige lange Belichtungszeit führt sonst zu verwackelten Bildern.

Alternativ kann man sich auch auf ein Element des Bildes konzentrieren und den Rest in Unschärfe versinken lassen. Dafür wählt man eine große Blende (eine kleine „f“-Zahl). Dieser Wert hängt vom verwendeten Objektiv ab. Bei einem 50-mm-Standardobjektiv mit fester Brennweite beträgt die maximale Blendenöffnung etwa zwischen 1,8 und 2, bei einem Standard-Zoomobjektiv hingegen zwischen 3,5 und 4,5.

Im Automatikmodus wird die Kamera meist eine Blende zwischen 8 und 11 wählen, womit der größte Teil des Bildes scharf wird. Wenn man eine geringe Schärfentiefe erzielen möchte, muss man die Blendeneinstellung selbst übernehmen und die Kamera auf Belichtungsautomatik mit manueller Blendenwahl umstellen. Deshalb ist es wichtig, eine Digitalkamera mit manueller Einstellmöglichkeit zu kaufen, wenn man sein kreatives Potenzial voll ausschöpfen möchte.

Mit einem Weitwinkelobjektiv erreicht man einen sehr großen Schärfentiefebereich, sodass man leicht den gesamten Bildausschnitt scharf stellen kann. Aus diesem Grund sind viele preiswerte Kameras mit einem Objektiv mit kürzerer Brennweite als 50 mm ausgestattet, mit denen man kaum unscharfe Bilder aufnehmen kann. Je weiter der Bildwinkel eines Objektivs ist, desto größer ist die Schärfentiefe. Im Gegensatz dazu ist der Schärfentiefebereich eines Teleobjektivs eher begrenzt. Je länger also die Brennweite eines Objektivs ist, desto kürzer ist der scharf abgebildete Bereich.

Die Entfernung zum Motiv ist ein recht wesentlicher Faktor: Je näher man an ein Motiv herangeht, desto geringer wird die Schärfentiefe. Bei Makroaufnahmen reicht der Bereich nur wenige Millimeter vor und hinter das Motiv. Das kann hilfreich sein, wenn man das Motiv aus einem unruhigen Hintergrund herauslösen möchte.

Wenn man nun aber keine Digitalkamera mit manueller Einstellmöglichkeit der Blende hat, sondern eine Digitalkamera mit Auotmatik, aber dennoch Effekte erzielen möchte, gibt es ein paar kleine Tricks. Als Beispiel: Man möchte eine Landschaft, zum Beispiel in den Bergen, scharf aufnehmen, und im Vordergrund eine Blume in der Mitte des Bildes unscharf davor – das kann ein ganz interessanter Effekt sein –, so würde bei einer Automatik die Blume im Vordergrund scharf werden und die Berge im Hintergrund unscharf. Trick: Die Kamera mit der Mitte des Sucherfeldes auf die Berge im Hintergrund neben der Blume schwenken, den Auslöser halb herunterdrücken, aber noch nicht auslösen, den Auslöser gedrückt halten, in die richtige Position für das Foto zurückschwenken und den Auslöser ganz herunterdrücken. Man wird den gewünschten Effekt erzielen. Warum? Beim leichten Andrücken des Auslösers stellt sich die Automatik auf das Motiv ein, das in der Mitte des Bildausschnitts im Sucher ist. Ist das ein Motiv, das nahe liegt, stellt sich die Schärfentiefe darauf ein, ist dagegen das Motiv weit weg wie in unserem Beispiel die Berge, stellt sich die Blende darauf ein und beim Anvisieren der nahe stehenden Blume danach bleibt diese Einstellung, wenn man den Auslöser leicht eingedrückt hält. Auf diese Art kann man auch Gegenstände oder Personen, die sich nicht in der Bildmitte befinden, scharf einstellen. Möchte man dagegen eine Person vor einer Landschaft scharf haben und die Landschaft dahinter unscharf, sollte man sich einen größeren Gegenstand suchen, der in der entsprechenden Entfernung zu einem steht wie die aufzunehmende Person beim Fotografieren (zum Beispiel ein Haus), beziehungsweise so nah an diesen Gegenstand herangehen, wie man für das geplante Bild an der Person stehen will, und die oben beschriebene Prozedur durchführen. Die Blende stellt sich dann auf das Haus ein (dies füllt den Sucher aus, die Person nicht, deshalb würde Person und der Hintergrund beide scharf werden bei der Automatik, wenn man sie nicht austrickst).

Mit solchen kleinen Spielereien kann man selbst mit einer Automatikkamera etwas Kreativität walten lassen.

Posted in Digitale Fotografie - Tipps


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